Thomas Brechler: „Ich bin der typische Feierabendfußballer“

von Marcel Peters

Thomas Brechler vom Oberligisten Lichtenberg 47 spielte einst in der 3.Liga, löste dann aber seinen Vertrag beim VfR Aalen auf und ist nur noch „der typische Feierabendfußballer“.

Thomas, danke, dass du dir die Zeit nimmst und meine Fragen beantwortest. Am Sonntag startet endlich die Pflichtspielsaison mit einem Heimspiel gegen Brieselang. Mit welchem Gefühl gehst du nach der Vorbereitung in das Spiel?

Da muss ich ehrlich gestehen, ich bin froh, dass die Vorbereitung jetzt vorbei ist. Wir alle freuen uns sehr auf den Sonntag, auf das Spiel gegen Grün Weiß Brieselang. Ich gehe mit einem sehr guten Gefühl in das Spiel, wir hatten eine harte und gute Vorbereitung. Wir sind alle fit und extrem heiß und nun kann es losgehen.

Viele Vereine haben sich gut verstärkt, wer geht für dich als Favorit in die Saison?

Verstärkt haben sich ja alle Klubs, aber ich denke Anker Wismar, Hertha 03 und auch Optik Rathenow haben sich punktuell sehr gut verstärkt. Tennis Borussia hat den kompletten Kader umgekrempelt und sich viel Erfahrung aus der Regionalliga geholt. Mit dieser Mannschaft sind sie ganz klar der Favorit.

Als du noch jünger warst, hast du noch etwas höher als Oberliga gespielt, hast damals den Sprung von den Reinickendorfer Füchsen zum VfL Wolfsburg II gewagt, hast auch beim KSV Hessen Kassel und VfR Aalen in der Regional- und 3.Liga gespielt. Ab welchem Augenblick hast du gemerkt, dass es mit der ganz großen Karriere nichts mehr wird?

Gemerkt habe ich es so richtig, als ich den Vertrag mit dem VfR Aalen aufgelöst habe. Ab diesem Augenblick kam die Erkenntnis, dass es das mit dem Sprung nach oben war. Aber die 3. Liga erreicht zu haben macht mich trotzdem sehr stolz.

Darauf kannst du auch sehr stolz sein. Was mich brennend Interessiert, hast du damals alles auf den Fußball ausgelegt oder nebenbei eine Berufs- oder Schulische Ausbildung absolviert?

Ich habe die Karte voll auf den Fußball gesetzt, ich wollte mich damals komplett auf den Fußball konzentrieren.

Kann man in der Regionalliga schon von den Einkünfte leben und wie ist es jetzt in der Oberliga, musst du nun nebenbei arbeiten?

In der Regionalliga verdient man mitunter sehr gutes Geld, davon kann man auch seinen Lebensunterhalt bestreiten. Da Fußballer mein Hauptberuf war, brauchte ich keinen weiteren Beruf ausüben. Ich konnte mit den finanziellen Möglichkeiten gut leben. In der Oberliga ist das Ganze weitaus anders. Hier ist der Sport deine Freizeitbeschäftigung, bringt dir auch kleine finanzielle Möglichkeiten, aber hier liegt die Priorität auf dem Arbeiten und das mache ich. Man könnte sagen, ich bin jetzt der typische Feierabendfußballer.

Vom „Fast-Profi“ zum Feierabendfußballer, der Spagat dazwischen ist nicht groß. Kannst du Jugendlichen, die den Sprung ins Haifischbecken wagen, einen Tipp geben wie sie sich beispielsweise bei einem Verein fernab der Heimat schnell einleben oder auf dem Weg nach oben durchbeißen können?

Man sollte sich auf jeden Fall ein zweites Standbein aufbauen und nicht alles auf den Fußball setzen. Jeder muss dazu stets diszipliniert sein, in jeder Einheit Gas geben und darf sich nicht hängen lassen.

Du hast den Stress mittlerweile hinter dir gelassen, mit nunmehr 31 Jahren auch genug Erfahrungen sammeln können. Wenn du zurückblickst, gibt es einen Moment in dem du deinen eingeschlagenen Weg bereust und den du gerne ändern würdest?

Nein, ich bereue nicht einen Schritt den ich gegangen bin. Ich habe alle Seite die es im Fußball gibt erlebt, ob es positiv oder negativ war.

Jetzt gehst du gehst auch schon in deine fünfte Saison beim SV Lichtenberg 47, deine neue Heimat?

Wenn man in seine fünfte Saison bei einem Club geht, dann ist es zugleich auch seine fußballerische Heimat. Ich fühle mich hier pudelwohl und finde die Philosophie vom Verein einfach klasse. Hier wird aus wenig sehr viel gemacht und das gefällt mir. Der Verein wird auch wie eine kleine Familie geführt, jeder ist für jeden da und das merkt man vor allem innerhalb des Teams. Jeder Spieler fühlt sich hier wertgeschätzt und angekommen.

Wenn man sich deine Statistiken anschaut, merkt man, dass du deine Torausbeute stätig steigern konntest. Befindest du in einer Art „zweitem Frühling“ oder ist die Erfahrung für die guten Werte ausschlaggebend?

Da ich seit fast fünf Jahren mit den gleichen Spielern zusammen spiele, kennt jeder die Laufwege des anderen. Unser Team besitzt eine hohe Qualität, wenn du als Stürmer die richtigen Wege machst und deine Mitspieler solch eine Klasse besitzen, dann ist es am Ende nicht mehr so schwer den Ball im Kasten unterzubringen.

Besonders gut hat das in der vergangen Saison mit Philipp Grünberg funktioniert, ihr habt eins der gefährlichsten Angriff-Duos der Oberliga gebildet. Verstehst du dich mit Ihm besonders gut oder ist es dir egal wer neben dir stürmt?

Ich verstehe mich mit jedem einzelnen Spieler super. Grüne und ich hatten speziell in der Rückrunde 2016/2017 einen sehr guten Lauf, aber hierbei muss man natürlich auch Christian Gawe ganz klar hervorheben, der mit Abstand der beste Vorbereiter der Liga war und uns eine Menge an Toren auflegte.

Das stimmt wohl, ihr habt generell eine herausragende Saison gespielt, seid am Ende verdienter Dritter geworden. Werdet ihr die Leistung diese Saison bestätigen oder sogar noch steigern können?

Es war die beste Saison für 47 in der Geschichte der Oberligazugehörigkeit. Na klar wollen wir unsere Leistung von der letzten Saison bestätigen, wie es am Ende aussieht wird man dann sehen, aber wir geben Gas und werden unsere Farben gut vertreten. Vor allem wollen wir für unsere Fans, Freunde, Familien und Bekannten weiterhin attraktiven und erfolgreichen Fußball spielen.

Wie lange wirst du noch auf dem Niveau spielen können?

So lange wie mein Körper es mitmacht.

Neben Einsätzen in der 3.- Regional- oder Oberliga hattest du in deiner Karriere schon einen Einsatz im DFB-Pokal, würde dich eine erneute Teilnahme reizen?

Na klar will ich gerne noch einmal im DFB-Pokal spielen, das ist eine tolle Erfahrung und für jeden Amateurfußballer ein absolutes Highlight. Sich einmal auf der großen Bühne zeigen und zu bewegen, eventuell hat man auch noch Losglück und bekommt einen attraktiven Gegner, einfach unbezahlbar. Nebenbei wäre das für den Verein auch etwas wunderbares, sowohl finanziell als auch sportlich.

Gab es in den höheren Ligen einen Trainer von dem du besonders viel gelernt hast?

Ehrlich gesagt hatte ich so viele Trainer, da fällt es mir gar nicht so leicht, zu beurteilen wen ich herausheben kann. Eine tolle Zeit hatte ich mit Lorenz Günther Köstner in Wolfsburg, ein super Trainer. Aber auch mein jetziger Trainer, Uwe Lehmann, hat mich besonders geprägt. In der gemeinsamen Zeit hat er durch gutes und gezieltes Training meine Fähigkeiten nochmal deutlich verbessert.

Ich bedanke mich und wünsche für die kommenden Aufgaben viel Erfolg.

Das Interview führte Marcel Peters | Fotos: Anne Gründer 

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