Robin Moerer: “Ich war nie ein Fan von Söldner-Truppen”

von Marcel Peters

Nach unserem Freundschaftsspiel gegen den SV Empor Berlin habe ich mich mit meinem langjährigen Mitspieler und Freund Robin Moerer unterhalten. Er kam mit fünf Jahren, ein Jahr vor mir, durch seinen Bruder zum VfB Hermsdorf und durchlief dort alle Jugendabteilungen, bevor er drei Jahre im Männerbereich spielte und dann den Schritt zu Empor wagte, bei denen er gleich im ersten Jahr in die Berlin-Liga Mannschaft des Jahres gewählt worden ist.

Wir haben auf unserem gemeinsamen Weg viele Höhen und Tiefen erlebt, Titel und Aufstiege gefeiert, hängen geblieben ist bei ihm aber vor allem der „Abstieg damals in der A-Jugend Verbandsliga, nach hartem Kampf“. Robin war immer ein ehrlicher Arbeiter auf dem Feld, ein Kämpfer, ein Läufer, ein Spieler den sich jeder Trainer wünscht weil er nie aufgibt und auch die Wege geht, die wehtun. Er spielt Fußball, wie er selber sagt aus „Liebe und Leidenschaft“ und hat nie daran gedacht „mit dem Fußball meinen Lebensunterhalt zu verdienen“, deswegen ist er ein wenig enttäuscht gewesen, als Ihm nach 17 Jahren beim VfB vorgeworfen wurde „ein Söldner zu sein“. Er hat das mittlerweile abgehakt, geht jetzt in seine dritte Saison beim SV Empor und ist auch weiterhin ehrgeizig, möchte daher „jedes Spiel gewinnen, dann macht es auch am meisten Spaß“. Und weil er jedes Spiel gerne gewinnt, hat er sich auch über das Endergebnis im Testspiel geärgert, aber lest selber.

Robin, 4:4 nach einer 4:0 Halbzeitführung – woran hat es gelegen?

Ich denke wir haben eine sehr gute erste Hälfte gespielt und dachten vielleicht, dass man mit ein paar Prozent weniger das gleiche erreichen kann. Die Konzentration und Kraft haben nachgelassen, dadurch haben wir viele einfache Fehler gemacht und euch zu Chancen eingeladen. Außerdem wart ihr extrem effektiv und zwei Traumtore waren auch dabei. Abgesehen davon hätten wir es definitiv abgezockter runter spielen müssen.

Du hast die Mannschaft heute mit der Binde auf den Platz geführt – gibst du auf und neben dem Platz den Ton an?

Unser letztjähriger Kapitän war beim Spiel nicht dabei, da habe ich die Binde bekommen. Ich war schon immer jemand, der gerne Verantwortung übernimmt, allerdings geht das auch ohne die Binde. Den Kapitän bestimmt der Trainer am Ende der Vorbereitung.

Seit wann seid ihr in der Vorbereitung und wie fällt dein erstes Zwischenfazit aus?

Wir sind jetzt seit zwei Wochen im Training, mein Fazit fällt bisher eher durchwachsen aus. Ich persönlich bin, aufgrund einer Weisheitszahn-Operation, erst seit einer Woche dabei. Aber in den bisherigen Testspielen haben wir taktisch enorm viele Fehler gemacht, die niemals passieren dürfen, auch wenn das Training logischerweise momentan eher im athletischen Bereich angesiedelt ist.

Habt ihr in der Sommerpause neue Spieler bekommen oder musstet Abgänge wichtiger Spieler verkraften?

Leon Barlage, der für mich einer unserer besten Innenverteidiger war, hat den Verein Richtung Strausberg verlassen. Außerdem ist einer unserer Linksfüße zu Tasmania gewechselt. Ansonsten ist die Mannschaft im Großen und Ganzen dieselbe wie letztes Jahr. Zwei bis drei Neuzugänge sind auch dabei.

Wie sah es bei dir aus, hattest du ernsthafte Wechselgedanken und was hat dich überzeugt zu bleiben?

Ich selber habe auch für mich überlegt was ich diese Saison mache, die Entscheidung pro Empor viel dann vor allem weil ich mitten in der Masterarbeit stecke und mir keinen weiteren Stress mit einem neuen Team aufbürden wollte. Außerdem habe ich beim SV Empor super Freunde gefunden und wir haben eine geile Truppe. Natürlich reizt es mich noch einmal höher klassigen Fußball zu spielen, jedoch muss man auch sehen, was sinnvoll für einen im gesamten Leben ist. Das ich mit Fußball nicht mehr meinen Lebensunterhalt verdienen werde, scheint mir persönlich ziemlich sicher. Gegen Empor und für andere Vereine in der Liga spricht vor allem das Geld. Aber ich war nie ein Fan von Söldner-Truppen, und bin auch ziemlich enttäuscht von der Entwicklung die der Amateurfußball bezogen auf die Bezahlung nimmt.

Letzte Saison habt ihr einen Fehlstart hingelegt und wart im weiteren Verlauf zu inkonstant um eine erfolgreiche Saison zu spielen – seid ihr trotzdem zufrieden?

Persönlich bin ich absolut nicht zufrieden mit dem Abschneiden letztes Jahr. Wir haben eindeutig unter Wert abgeschnitten, sind aber ganz allein daran schuld. Der Trainerwechsel zur Winterpause hat das ganze durch die kurze Wintervorbereitung nicht einfacher gemacht.

Du konntest deine Torausbeute in den zweistelligen Bereich bringen – ist das auch ein Persönliches Ziel für nächstes Jahr oder ist das Zweitrangig für dich?

Definitiv möchte ich die zweistellige Torausbeute wiederholen.

Welche Ziele habt ihr als Team und wer ist für dich Meisterschaftsfavorit?

Wir wollen nichts mit dem Abstieg zu tun bekommen. Der Rest wird sich dann von ganz allein ergeben. Favorit ist eindeutig Blau-Weiß 90.

Und langfristig, gibt es noch etwas, das du erreichen möchtest?

Definitiv möchte ich einmal im Berliner Pokal mindestens bis ins Halbfinale vordringen. Die Erfolge und Bilder damals beim VfB Hermsdorf, als man als Jugendspieler am Rand die Männer im Pokalfinale angefeuert hat, spornen einen definitiv an, etwas Ähnliches zu erreichen. Ob ich persönlich noch einmal versuchen möchte höherklassig zu spielen, hängt von vielen Faktoren wie Gesundheit und meinem fast fertigem Studium ab. Lust darauf hätte ich definitiv.

Gibt es Vorbilder oder Trainer von denen du dir etwas abgeschaut hast oder viel lernen konntest?

Definitiv. Mir fällt da ein Spieler ein, das ist Steven Gerrard, der fast sein komplettes Leben bei seinem Jugendverein dem FC Liverpool, gleichzeitig mein Lieblingsverein in Europa, gespielt hat. In Sachen Einsatzwillen und das Motivieren von Mitspielern gibt es wenige die mit ihm dort mithalten können, weshalb ich versucht habe mir viel von ihm abzuschauen. Zudem hat er in seiner Karriere auch mehr als ein paar geile Fernschuss Tore erzielt, das klappt bei mir allerdings nicht so gut.

Bei den Trainern fällt mir da zuerst mein Jugendcoach Gerd Skychus ein. Er hat uns beide zehn Jahre trainiert und mich definitiv in Sachen Liebe zum Fußball geprägt. Er hat es vorgelebt im Fußball engagiert zu sein. Taktisch muss ich sagen, dass Rudy Raab, der mich im ersten halben Jahr beim SV Empor trainiert hat und dann beruflich nach Südamerika gegangen ist, eine Nummer für sich war. Wir hatten genaue Matchpläne und er und sein damaliger Co-Trainer Nils Kohlschmidt (der anschließend Cheftrainer wurde) haben viel dazu beigetragen, dass mir der Schritt vom VfB zum SVE so leicht gefallen ist. In diesem halben Jahr habe ich nochmal einen enormen Entwicklungssprung gemacht.

Ich bedanke mich recht herzlich für das Interview und wünsche auch für die kommende Saison viel Erfolg.

Das Interview führte Marcel Peters | Fotos: SV Empor & Alexander Rabe

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