Niklas Schumann: „Beim VfB Hermsdorf herrscht eine einzigartige Atmosphäre“

von Marcel Peters

Mit meinem heutigen Gesprächspartner verbindet mich eine langjährige und enge Freundschaft. Ich erinnere mich gern an die C-Jugend Zeiten, als wir uns teilweise ein bis zwei Stunden vor dem Training getroffen haben um gegen den Ball zu treten.

Niklas Schumann trat, genau wie meine Wenigkeit, im zarten Alter von sechs Jahren beim VfB Hermsdorf ein. Durch seine Schwestern, die schon beim VfB aktiv waren und seine Eltern die ihn „nach einen Besuch beim Gold-Silber-Turnier nicht bei den „Gelben“ sondern bei den „Roten“ anmeldeten“ führte sein Weg an die Seebadstraße. Ab diesem Zeitpunkt prägten wir, gemeinsam mit anderen gleichaltrigen Kindern, den Verein. Von den Minis bis zum Ende der D-Jugend eilten wir von Sieg zu Sieg und gewannen zusätzlich einige Jugendturniere. Bis auf ein „kurzes Intermezzo beim 1.FC Lübars“ war Hermsdorf bis zur B-Jugend seine Heimat. Gemeinsam mit seinem Freund Patrick Walz wollte er zum Ende der Jugendzeit dauerhafte Erfolge auf höchstem Niveau feiern und nicht nur, wie beim VfB, für untere Jahrgänge aufsteigen. Sie wechselten gemeinsam zum Nordberliner SC. In den vier Jahren bei den „Gelben“ konnten Sie, mit den zum Teil talentiertesten Spieler im Berliner Norden, immer um die Berliner Meisterschaft mitspielen, auch wenn es am Ende nie zum ganz großen Sprung reichte. Seine fußballerische Entwicklung hat er dort vor allem Michael Linde zu verdanken, er bezweifelt sogar, ob er ohne ihn „jemals den Sprung in die Berlin-Liga geschafft“ hätte.

Zum Ende seiner Jugendzeit wechselte er „mit 19 Jahren wieder zurück zu meinem Heimatverein“ und geht nun in seine sechste Saison. „Nordberliner spielte damals noch in der Landesliga und es reizte mich zu meinem Jugendverein zurückzukehren. Nachdem auch mein langjähriger Kumpel „Walze“ zurück ging, stand meine Entscheidung fest.“ Seine erste Saison im Männerbereich wertet er als großen Erfolg. Er schaffte unter „Trainer“ Jörg Schmidt, den er sehr schätzt und der ihn „menschlich deutlich weiter gebracht hat“, den direkten Sprung in den Kader der Berlin-Liga Mannschaft. Er erinnert sich: „Wir haben eine erfolgreiche Saison gespielt, mit der zwischenzeitlichen Tabellenführung, nachdem wir daheim gegen TeBe gewonnen haben“. Nach erfolgreichen Zeiten folgen bekanntlich meistens auch weniger Erfolgreiche. Daher musste er am Ende der Saison 2015/16 den größten Rückschlag seiner jungen Karriere beim VfB Hermsdorf miterleben. Den „bitteren Abstieg aus der Berlin-Liga“ hat er noch nicht wirklich verdaut. Auch die für ihn und das Team „ebenfalls durchwachsene letzte Saison“ in der Landesliga, in der sie „nach einem guten Start doch sehr nachgelassen haben“ und er persönlich über die „komplette Saison mit Verletzungen zu kämpfen hatte“ trug nicht zum Stimmungsaufschwung bei. Er vermisste die „Hermsdorfer Tugenden“, beklagte „diverse Verletzungen und Sperren“ und nimmt die jungen Spieler, denen es noch an „Cleverness und Erfahrung fehlt“, in Schutz.

 

Ein Hoffnungsschimmer an der Seebadstraße und für Niklas ist aber der Trainerwechsel von Detlev Fitzek zu Stephan Gerth, der das Ruder, zusammen mit Uwe Grossmann, schon zum Ende der Rückrunde übernahm. Stetig steigende Trainingsqualität und Beteiligung, engeres Zusammenrücken von Erster und Zweiter Mannschaft, wie man es länger nicht gesehen hatte und der Klassenerhalt der zweiten Mannschaft, der auch dem Austausch einiger Spieler zu verdanken ist, lassen euphorischer in die Zukunft blicken. Er fordert sein Team auf, in der nächsten Saison „deutlich konstanter zu werden“. Sollte das geschafft werden rechnet er auch wieder mit mehr Erfolg. „Ich glaube mit der Konstanz kommt auch der Erfolg und dann kann man schauen wohin die Reise geht. Wir haben eine gute junge Mannschaft die sehr entwicklungsfähig ist. Ich bin auf jeden Fall guter Dinge, dass unser Trainerteam Grossmann/Gerth uns auf einen guten Weg bringen wird. Den am Ende entstandenen Teamgeist und Einsatz müssen wir auf jeden Fall auch in der kommenden Saison fortführen“. Er persönlich möchte nach einigen leichten und schweren Verletzungen in den letzten Jahren endlich eine komplette Saison durchspielen. Nach einem „leichten Bandscheibenvorfall, einer schwerwiegenden Schulterverletzung mit anschließender Operation und diversen Kapselverletzungen“ ist ihm das auch zu gönnen. Er ist guter Dinge, „dass es eine verletzungsfreie Saison wird.“ Außerdem sagt er: „Ich kenne meine Schwächen und an diesen möchte ich weiterhin arbeiten.“. Für die Zukunft wünscht er sich die Berlin-Liga wieder zurück und hofft ganz nach Hermsdorfer Tradition „mal einige Runden im Pokal zu verbringen“. Der Mythos um den Pokalschreck vom Fließtal ist in den letzten Jahren auch etwas abgeflacht.

Ihm persönlich fehlt es auf jeden Fall nicht an Ehrgeiz und Einstellung diese Ziele zu erreichen. Nicht nur mit der ebenfalls geforderten Konstanz auch mit der nötigen Einstellung kann man große Dinge erreichen, so der Torhüter. Als Vorbild nennt er dort seine Schwester Desiree Schumann. Bis in die Frauenbundesliga zum FFC Frankfurt hat Sie es geschafft. „Sie ist Deutsche Meisterin, Champions League Siegerin und hat sich nie unterkriegen lassen, Ihre Einstellung und Professionalität zum Sport bewundere ich“. Neben seiner Schwester nennt er, aufgrund von Vereinstreue, Leistung und fußballerischen Qualitäten, Buffon und Neuer als inspirierende Personen. Er persönlich kann sich nicht erinnern, dass der Traum vom Profifußball bei ihm jemals real war. Er hatte in der A-Jugend den Gedanken einen Schritt weiter zu machen. Hat sich aber letztlich „dagegen entschieden“. Er war schon als kleines Kind froh beim VfB gelandet zu sein und ist nun es noch immer. Er bezeichnet den Verein als „Familie“ und kennt viele Personen schon seit Jahren. „Über die Jahre habe ich hier viele tolle Menschen kennen gelernt. Ich denke beim VfB herrscht eine einzigartige Atmosphäre. Darauf kann der Verein und die Mannschaft stolz sein.“

Das Gespräch führte Marcel Peters. Fotos: David Reimer

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