Mike Ryberg: „Aufstieg und Pokalgewinn mit Zehlendorf sind das Ziel“

von Marcel Peters

Mike Ryberg war nach Niclas Warwel und Marc Zellner der dritte Spieler, den sich Hertha 03 Zehlendorf aus Hermsdorf angelte. Er arbeitete stetig an sich und avancierte direkt zum Stammspieler in der NOFV-Oberliga Nord. Seitdem bearbeitet er unermüdlich die „Linke Flanke“ beim Berliner Traditionsverein, in dem laut Mike noch mehr Potential steckt. Seitdem sein Vater ihn mit vier Jahren mit zum Fußball genommen hat ist er leidenschaftlich dabei. Nun versucht er in der nächsten Saison nochmal einen Schritt nach vorne zu machen und hofft nach einigen Aufstiegen, Meisterschaften und Pokalfinalen im Jugendbereich auch endlich im Männerbereich ähnliche Erfolge feiern zu können.

Mike, du bist ein begnadeter Linksfuß und der wahrscheinlich schnellste Spieler, den ich im Berliner Fußball kenne. Fällt es dir damit leichter an einem Gegenspieler vorbei zu kommen, beispielsweise mit dem alten Bauerntrick Ball vorbei spielen und hinterher rennen oder greifst du beim Eins gegen Eins schon tiefer in die Trickkiste?

Danke erst mal, dass du mich als schnellsten Spieler Berlin siehst, wobei ich auch noch paar sehr schnelle Spieler kenne. Dazu zählen z.B. Carl Hopprich und Niclas Warwel aus meiner Mannschaft. Was heißt es fällt mir leichter am Gegenspieler vorbeizukommen, es ist aber gerade in einem Laufduell ohne Ball oder einem Steilpass schon ein kleiner Vorteil, deswegen liebe ich es zu kontern. Im Allgemeinen kommt es aber auf die Spielsituation an, welchen Trick ich anwende. Ein Spieler mit einem sehr guten Stellungsspiel kann auch schnelle Spieler alt aussehen lassen. Nichtsdestotrotz, im Eins gegen Eins wende ich häufig den klassischen Übersteiger an. Das ist eine Finte, die im höchsten Tempo gemacht werden kann und die dir einen kleinen Vorteil zur Flanke verschaffen kann.

Warst du schon immer einer der schnelleren oder hast du das in der Jugend trainiert indem du zusätzliches Leichtathletiktraining absolviert hast?

In meinen frühen Kindheitstagen, von den Minis bis zur D, gehörte ich schon zu den schnelleren, aber ich war ein Spätentwickler als es in die Pubertät ging, weswegen ich von der C- bis zum Ersten A-Jugend-Jahr einer der langsamsten war. Im letzten A-Jugend-Jahr machte ich einen tierischen Sprung, vor allem in der physischen Entwicklung. Dadurch war ich wieder einer der schnellsten, gleichzeitig habe ich auch fußballerisch nochmal ordentlich zugelegt. Das ganze habe ich ohne Schnelligkeitstraining oder sonstiges Zusatztraining geschafft.

Als ich dich zu Hermsdorf Zeiten beobachtet habe, ist mir aufgefallen, dass du deine Vorteile im Schnelligkeitsbereich ab der 70 Minute häufig nicht mehr einsetzen konntest, da du konditionell ausgelaugt warst (nicht weil du konditionell schlecht warst, aber du musstest 70 Minuten alleine deine Seite bearbeiten) – Hat sich das bei Hertha 03, auch bedingt durch eine Umstellung im System geändert?

Zuerst muss ich sagen, dass mich das System bei Hermsdorf am Anfang ein wenig überfordert hat. Ich habe einige Spieltage gebraucht um damit klarzukommen und zu wissen, was meine Aufgaben in dem System überhaupt waren. Mit zwei klassischen Manndeckern und einem Libero und somit keinem linken bzw. rechten Verteidiger, wie wir es damals ausgeübt haben spielte sonst keiner mehr. Als Außenspieler, der von Jordi Alba bis Neymar alles spielen sollte, hatte ich bis dato noch nie gespielt. Und weil man die komplette Seite alleine bespielte, war man auch nach 70 bis 80 Minuten vollkommen k.o.. Der Unterschied zu Hermsdorf ist, dass wir bei Zehlendorf mit einer Viererkette spielen. So hat man als offensiver Mittelfeldspieler immer eine Absicherung hinter sich und man sich die Arbeit egal ob defensiv oder Offensiv teilen und sich abwechseln. Sollte der Abwehrspieler mich Überlaufen bleibe ich als Absicherung hinten. So ist es für mich einfacher mit der Kraft über die kompletten 90 Minuten zu kommen. Das bedeutet jedoch nicht, dass ich nicht in jedem Spiel alles gebe.

Dein Vertrag bei Hertha 03 Zehlendorf für die kommende Saison ist unterschrieben, welche Ziele hast du für die nächste Saison?

Ich möchte eine gute Saison spielen. Dazu gehört, dass ich eine zweistellige Trefferzahl erreiche, mit der Mannschaft endlich aufsteige sowie endlich den Pokal gewinne.

Du bist seit zwei Jahren in Zehlendorf, dabei bist du mit dem Team Dritter und Vierter geworden. Welche Ziele habt ihr euch für die nächste Saison als Team gesteckt?

Dieses Jahr ist das Ziel aus meiner Sicht schon der Aufstieg. Wir wissen selber, dass dies ein hartes Stück Arbeit wird und das es in unserer Liga einige Mannschaften gibt, die sich sehr gut verstärkt haben, aber trotzdem denke ich, dass unser Kader im Vergleich zur letzten Saison nochmal stärker geworden ist und das Potential für den Aufstieg auf jeden Fall vorhanden ist.

Vor kurzem hattest du einen kleinen Rückschlag. Was ist passiert und welche Nachwirkungen spürst du noch immer?

Ich hatte vor kurzem ein kleines Nierenversagen. Zum Glück ist jetzt wieder alles in Ordnung und ich bin gesund. Ich merke jedoch, dass ich noch nicht wieder bei 100% bin. Der Laktattest den wir am vergangen Freitag absolviert haben zeigt dies. Ein Wert von 3,5 mmol/l spricht für sich. (laut Mike ist das für den Laktattest ein sehr schlechter Wert)

Einen Laktattest absolviert nicht jede Mannschaft in der Vorbereitung, läuft alles bei euch so professionell ab?

Wir versuchen mit den Mitteln die wir haben, schon so professionell wie möglich zu arbeiten. Durch die neue Kooperation mit Hertha BSC wurde uns angeboten einen Laktattest durchzuführen.

Wir haben über deine Schnelligkeit gesprochen, hast du auch Vorbilder die deine Position bekleiden und einen Spieler mit Leichtigkeit überlaufen können?

Richtige Vorbilder habe ich ehrlich gesagt nicht. Ich gucke mir bei Spielern etwas ab, von denen ich noch etwas lernen kann und versuche diese Sachen auch im Training anzuwenden. Spieler die ich cool finde, sind Kingsley Coman oder Christian Tello vom AC Florenz. Das sind jetzt nicht die Superstars, aber auf ihren Positionen sind sie saustark.

Als du damals zu Hermsdorf gekommen bist, mittlerweile auch schon wieder über vier Jahre her, war dein Ziel soweit ich mich erinnere mindestens Regionalliga. Dieses Ziel kannst du noch erreichen, wann hast du aber gemerkt, dass es mit dem ganz großen Sprung nicht klappt?

Einen bestimmten Zeitpunkt, an dem ich gemerkt habe, dass ich kein Profi mehr  werde, kann ich dir gar nicht sagen. Mit der Zeit und dem zunehmenden Alter wurde mir mehr oder weniger bewusst, dass ich es nicht mehr schaffe. Vermutlich lag es auch daran, dass ich in meiner Freizeit meine Schwächen nie trainiert habe, oder einfach weil ich mich erst so spät weiter entwickelt habe. Erst im letzen A-Jugendjahr habe ich so richtig Fuß bei Hertha gefasst, auch deswegen bin ich nicht in die U23 übernommen worden. Aber ja, ich möchte definitiv noch einmal aufsteigen und auch den Pokal gewinnen. Wenn wir das schon diese Saison erreichen wäre das echt geil. Ich gebe auf jeden Fall im Training immer alles und möchte mich stetig verbessern, in dieser Sache bin ich schon noch ehrgeizig.

Von welchen Trainern konntest du am meisten lernen und mitnehmen?

Mein erster Trainer war mein Papa, der hat mir Fußball spielen gezeigt. Dann wären da noch Marco Lips von Hertha BSC und Markus Schatte, der so viele Passübungen kennt, dass ich in den anderthalb Jahren die ich unter ihm trainiert habe nie dieselbe gemacht habe – und das obwohl wir vier Mal die Woche Training hatten.

Das Interview führte Marcel Peters | Fotos: Kerstin Kellner

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