Lars Schepull: Vom “Dorfverein” VfB Hermsdorf zum DFB

von Marcel Peters

Lars Schepull musste seine sportliche Karriere früh beenden, schaffte es aber dennoch zum Deutschen Fußball-Bund (DFB) und übt dort heute sein Hobby als Beruf aus. Mit dem Namen Lars Schepull können viele Fußballer, egal ob in Berlin oder ganz Deutschland, vermutlich nicht viel anfangen. Auch bei mir würde Lars nicht auf dem Radar stehen, wenn ich ihn nicht bei meinem Jugendverein kennengelernt hätte, bei dem er seine Karriere als Fußballer begann, bis ihm nach einem erfolgreichen Politik und Sportmanagement Studium der große Sprung gelang. Mittlerweile arbeitet er seit Jahren im Schatten von bekannten Gesichtern wie Joachim Löw, Oliver Bierhoff oder Hansi Flick für den DFB. Ab der kommenden Saison wird Lars die deutsche U18-Nationalmannschaft als Team Manager betreuen. Hier könnt ihr lesen, wie er es vom VfB Hermsdorf zum DFB geschafft hat.

Lars, wir fangen ganz vorne an. Du hast das Fußballspielen beim VfB Hermsdorf erlernt, musstest die Schuhe aber wegen diverser Knieoperationen früh an den Nagel hängen. Wie bist du damals damit umgegangen?

Wenn man gerne Fußball spielt und dann mit 21/22 Jahren damit aufhören muss, ist das natürlich schade und frustrierend. Ich hätte schon gerne noch ein paar Jahre gekickt, auch wenn ich sicher keine großen Spuren in der Fußballgeschichte hinterlassen hätte

Neben der sportlichen Karriere hast du Politik und Sportmanagement studiert. Hast du damals damit gerechnet einmal beim DFB zu arbeiten?

Nein, und dazu gehörten dann später auch ein paar Zufälle und Glück. Allerdings habe ich durch Jobs und Praktika schon damals probiert, irgendwie im professionellen Sport Fuß zu fassen. Zuerst warst du aber Pressesprecher und Team-Manager beim VfB Hermsdorf. War das dein Full-Time-Job oder hast du die anfallenden Aufgaben in deiner Freizeit bewältigt? Das war eine rein ehrenamtliche Tätigkeit, die ich in meiner Freizeit gemacht habe.

Welche Aufgaben hat man denn eigentlich als Pressesprecher eines Berlin-Liga Vereins?

Einerseits die Kommunikation innerhalb des Vereins, also Spielberichte sowie andere News für die Website  zu verfassen und für die Vereinszeitung aus der Fußballabteilung zu berichten. Daneben war ich Stadionsprecher der 1. Mannschaft und habe bei Heimspielen die Kollegen von der Fußball-Woche mit Spielinformationen versorgt.

2006 ging es von „Dorfverein“ zur WM. Als Betreuer der schwedischen Nationalmannschaft durftest du beim Sommermärchen in Deutschland teilnehme. Unter welchen Umständen bist du an diese Stelle gekommen und was hast du für Erinnerungen von damals mitgenommen?

Es ist bei Welt- und Europameisterschaften üblich, dass der gastgebende Verband, also in dem Fall der DFB, jeder Mannschaft einen lokalen Betreuer zur Seite stellt. Ich habe mich für die schwedische Mannschaft beworben und den Job bekommen, weil ich in Schweden aufgewachsen bin und die Sprache spreche. Es gibt viele schöne Erinnerungen an diesen Sommer. Ich habe noch vor Augen, wie wir im Mannschaftsbus zum Spiel gegen Paraguay ins Olympiastadion gefahren sind und vom Theodor-Heuss-Platz bis zur Stadioneinfahrt ein Meer aus gelben Trikots von den schwedischen Fans zu sehen war. Alle im Bus, sogar hartgesottene Jungs wie Zlatan Ibrahimovic, waren von diesem Anblick komplett beeindruckt. Und das in meiner Heimatstadt!

Es folgten diverse Turniere die du bei Frauennationalmannschaften miterlebt hast. Erst für Schweden später auch für die deutsche U21- und Frauenmannschaft. Inwiefern unterschieden sich deine Aufgabenfelder und Vorbereitungen auf ein Spiel als bei den Männern?

Ob Schweden oder Deutschland, ob Männer-, Frauen oder U-Nationalmannschaften: Es gibt natürlich schon Unterschiede, was die Größe des Trainer- und Betreuerstabs, die mediale Aufmerksamkeit und die allgemeinen Rahmenbedingungen angeht. Was die Aufgaben oder auch die Abläufe betrifft, fallen für einen Team Manager aber eigentlich immer die gleichen Dinge an: Vorab dafür sorgen, dass alles an Materialien mitkommt, Hotels und Trainingsplätze aussuchen, Transporte und Reisen organisieren, Spielkleidung absprechen, am Spieltag mit den Verantwortlichen vor Ort im Stadion alles zu regeln. Einfach gesagt: Dass Mannschaft und Trainer bestmögliche Voraussetzungen haben.

2015 folgte die Festanstellung beim DFB mit dem Aufgabenfeld für deutsche U-Nationalmannschaften. Welche heutigen Profis sind dir dabei über den Weg gelaufen?

Zuletzt war ich Team Manager der U20-Nationalmannschaft, da waren schon einige Profis mit dabei, unter anderem die Herthaner Maxi Mittelstädt und Jordan Torunarigha. Der beste Jahrgang, den ich jemals hatte, war sicherlich die U21, die 2009 den U21-EM-Titel geholt hat. Damals waren mit Neuer, Höwedes, Khedira, Özil, Boateng und Hummels sechs spätere Weltmeister von Brasilien dabei. Das freut einen natürlich, wenn man sieht, was aus den Jungs wird und dass man sie ein ganz kleines Stück ihres Weges begleiten durfte.

Die U20, welche du diese Saison als Team Manager betreut hast, konnte bei der diesjährigen WM trotz eines namhaften Kaders nicht überzeugen und musste früh die Segel streichen. Woran hat es gelegen?

Wir hatten extrem schwierige Rahmenbedingungen. Da die U20-WM nicht in der offiziellen FIFA-Abstellungsperiode stattfand, haben uns viele Vereine ihre Spieler nicht freigegeben, weil sie sich noch im Auf- oder Abstiegskampf sowie im Kampf um Europapokalplätze befanden. Unser bester Spieler Benny Henrichs war ja mit der A-Mannschaft beim Confed-Cup, was toll ist, aber so einer wie er hat uns gefehlt. Zum ersten Spiel hatten wir 14 Feldspieler vor Ort, die erst drei Tage zuvor in Korea angekommen waren. Zum Vergleich: Unser erster Gegner Venezuela hatte vor dem Eröffnungsspiel mit dem kompletten Kader ein zweiwöchiges Trainingslager in China hinter sich. Aber trotz dieser schwierigen Bedingungen hat man als deutsche Mannschaft egal welcher Altersklasse natürlich den Anspruch an sich selber, weiter als nur bis ins Achtelfinale zu kommen.

Für die nächste Saison steht mit der Betreuung der U18 Nationalmannschaft schon die nächste Aufgabe an. Welche Ziele verfolgt ihr für die Mannschaft?

In der U18 gibt es ja keine Welt- oder Europameisterschaft. Wir haben im Dezember ein Viernationen-Turnier in Israel und noch ein paar weitere Länderspiele im Frühjahr. Der Fokus liegt aber darauf, durch Lehrgänge, Trainingslager und Sichtungsturniere eine schlagkräftige Mannschaft für 2018/19 aufzubauen – dann werden wir ja zur U19 und wollen uns für die EM in Armenien qualifizieren.

Bist du glücklich mit deiner „Berufswahl“?

Absolut, ich habe ja mein Hobby zum Beruf machen können. Daneben habe ich auch das Glück, dass das Betriebsklima mit den anderen Team Managern, mit meinem Trainer- und Betreuerteam, aber auch mit den Kollegen aus den anderen DFB-Abteilungen hervorragend ist.

Siehst du deine Zukunft auch weiterhin beim DFB? Oder würdest du gerne mal eine reizvolle Aufgabe als Team Manager im Vereinssport übernehmen?

Im Moment verschwende ich keinen Gedanken daran. Mir macht die Arbeit mit den U-Nationalmannschaften Spaß, die Auswärtsreisen zu Länderspielen und Turnieren sind spannend und man hat auch Freiräume, um eigene Ideen zu entwickeln. Ich bin mir nicht sicher, ob dieses Gesamtpaket als Team Manager eines Vereins immer so gegeben ist.

Wie sieht der Kontakt zu deinem alten Verein VfB Hermsdorf aus – Verfolgst du den Werdegang und pflegst noch Kontakte in den Norden von Berlin oder bist du arbeitsmäßig so ausgereizt, dass du dafür keine Zeit mehr hast?

Wenn ich am Wochenende in Berlin bin, versuche ich, hin und wieder an der Seebadstraße vorbeizukommen. Ansonsten schaue ich sonntagabends immer im Internet, wie der VfB gespielt hat. Entsprechend war ich natürlich traurig, dass nach 18 Jahren Berlin-Liga der Abstieg im letzten Jahr besiegelt war, zumal ich glaube, dass der Weg zurück in den nächsten Jahren fast ausgeschlossen ist. Aber immerhin haben sie sich in der Landesliga erst einmal halten können und sind nicht durchgereicht worden, wie es ja schon so manchem Berlin-Liga-Absteiger ergangen ist. Aber eines ist klar: Im Herzen bleibe ich immer Rot-Weisser

Ich wünsche Lars an dieser Stelle für seine kommenden Aufgaben viel Erfolg.

Das Interview führte Marcel Peters | Fotos: privat

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