„Der Aufstieg würde einen positiven Schub geben“

Miroslav Slavov (25) hat, trotz seines immer noch jungen Alters, auf und abseits des Fußballplatzes schon viel erlebt. Er war Stürmer im ukrainischen U19-Nationalteam, bei Girondins Bordeaux und beim russischen Erstligisten Anschi Machatschkala, wo er unter anderem mit den Weltstars Roberto Carlos und Samuel Eto’o zusammenspielte und Teilnehmer bei Austria’s Next Topmodel. Seit der Winterpause kickt Slavov in der Regionalliga Nordost beim Berliner AK, wo er auf Anhieb einschlug und in seinen ersten sieben Spielen sechs Treffer erzielt.

Am Sonntag kommt es zum Spitzenspiel zwischen dem Berliner AK und Tabellenführer FSV Zwickau. Wir haben uns im Vorfeld der Partie mit dem gebürtigen Ukrainer getroffen.

Du hast in deinem bisherigen Fußballerleben schon jede Menge erlebt. Wie begann deine Fußball-Karriere?

Miroslav Slavov: Ich habe in der Jugend bei verschiedenen Wiener Vereinen gespielt und bin mit 17 Jahren zu Girondins Bordeaux gewechselt. Dort habe ich mit der ersten Mannschaft trainiert, kam aber nur für die zweite Mannschaft zum Einsatz. Das war ein Fluch und ein Segen gleichzeitig, da die Mannschaft damals um die französische Meisterschaft mitgespielte und auch in der Champions League erfolgreich war. Ich durfte damals unter Laurent Blanc trainieren und da lernt man natürlich sehr viel. Andererseits war der Sturm damals sehr stark besetzt und ich bekam in der ersten Mannschaft keine Chance. Für einen jungen Spieler war es dennoch eine sehr lehrreiche Zeit.

Dennoch hast du danach die Chance bekommen, dich auf einer noch größeren Bühne zu präsentieren.

Nach zweieinhalb Jahren bin ich dann zu Anschi Machatschkala gewechselt, die damals in die erste russische Liga aufgestiegen sind. Der Co-Trainer von Anschi (Andrej Gusin †, Anm. d. Red.) war mein Jugendnationaltrainer für die Ukraine, der mich dort aufgebaut und an die erste Mannschaft herangeführt hat. Im Januar 2011 übernahm der russische Milliardär Suleiman Kerimow den Verein und kaufte nur Stars ein. Ich habe dann unter Guus Hiddink trainiert und mit Spielern wie Roberto Carlos und Samuel Eto’o zusammengespielt. Da lernt man natürlich auch sehr viel dazu aber man kommt wieder nicht zum Zug und als junger Spieler möchte man natürlich in erster Linie spielen. Ursprünglich bin ich ja über meinen Berater dorthin gewechselt, da der Verein auf junge Spieler setzen wollte und quasi über Nacht hat sich das komplett geändert.

Nach einem halben Jahr Leihe zu Metalurh Donezk bist du zurück nach Österreich gewechselt – allerdings in die zweite Liga, was ja schon nach einem Rückschritt in der Karriere aussieht. Wie kam es dazu?

Ich hatte eigentlich noch zwei Jahre Vertrag bei Anschi, wollte aber eine Veränderung und spielen. Ich hatte zu dem Zeitpunkt aber leider einen neuen Berater, der mir das Blaue vom Himmel versprochen hat. Bis September war ich dann vereinslos und dann kam der Berater mit dem Angebot aus Wien. Da war ich zugegebenermaßen schon überrascht, da es ausgerechnet mein Jugendverein war und ich damals höchstens daran gedacht habe, dass ich dort meine Karriere ausklingen lassen würde. Wir haben dann eine überraschend starke Saison gespielt und auch für mich persönlich lief es es sehr gut und trotzdem blieben die Angebote aus…

Hast Du zu dem Zeitpunkt an deiner Fußball-Karriere gezweifelt?

Etwas resigiert habe ich natürlich schon und dann parallel zum Fußball ein Mathe-Studium in Wien begonnen, um ein mögliches zweites Standbein zu haben. Zudem habe ich auch noch mit der Model- und TV-Karriere angefangen, da der Durchbruch im Fußball erstmal in weite Ferne gerückt zu sein schien. Im Nachhinein würde ich aber auch sagen, dass ich schlicht mit den falschen Leuten zusammengearbeitet habe und dadurch nicht die  Aufmerksamkeit bekommen habe, die durch meine sportlichen Leistungen angemessen gewesen wäre. Fußball habe ich dann nur noch in der 4. österreichischen Liga, beim Kremser SC, gespielt.

Du hast zusätzlich zum Modeln auch an der TV-Show „Austria’s Next Topmodel“ teilgenommen. Wie kam es dazu und was haben deine Mitspieler gesagt?

Ich wurde damals auf der Straße angesprochen. Das war die erste Staffel außerhalb der USA, an der auch Männer teilnehmen durften. Das hat auch super funktioniert und der Sender wollte im Anschluss weiter mit mir arbeiten und hat mir eine Moderations-Ausbildung finanziert. Ich habe dann mit „Rendezvous im Paradies“ (österreichische Version vom „Bachelor“, Anm. d. Red.) meine eigene TV-Show bekommen und im Anschluss noch etliche Model-Aufträge. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht und war eine tolle Erfahrung. Natürlich war das in der Kabine auch ab und an Gesprächsthema aber die Reaktionen waren immer positiv.

Wie kam es dann dazu, dass dich der Fußball nochmal gereizt hat und du zum Berliner AK gewechselt bist?

Mein Vater, der ein sehr kommuniaktiver Typ ist, hat im Urlaub durch Zufall den BAK-Präsident Ali Han an der Hotel-Lobby getroffen und sich mit ihm erstmal nur über Fußball im Allgemeinen unterhalten. Er hat ihm dann aber auch Videos von mir gezeigt. Das hat die Verantwortlichen beim BAK davon überzeugt, mich umgehend ins Trainingslager einzuladen. Ich bekam einen Anruf von Ali Han und bin dann, nach kurzer Bedenkzeit, ins Trainingslager geflogen, da es mich doch gereizt hat, bei einem ambitionierten deutschen Regionalligisten, der um den Aufstieg in die 3. Liga mitspielt, nochmal anzugreifen. Dazu habe ich mir gedacht, dass ich ja auch „erst“ 25 bin und der deutsche Fußball eine größere Bühne als der österreichische bietet.

Du bist mit dem Berliner AK sehr erfolgreich in die Rückrunde gestartet und hast in deinen ersten sieben Spielen sechs Mal getroffen. Hast du dich schon in Berlin eingelebt?

Ja, ich fühle mich sehr wohl. Berlin ist eine tolle Stadt und auch die Stimmung in der Mannschaft ist super.

Wie würdest du deinen Trainer, Steffen Baumgart, als Typ beschreiben?

Als Spieler habe ich ihn nicht erlebt, aber was ich so mitbekommen habe, war er ein Kämpfer und als Trainer ist er genauso. Er ist ein sehr engagierter Mensch, der so eine Art Feuer entfachen kann, das natürlich sehr motivierend ist. Zudem kann er die Mannschaft extrem gut einstellen und ist ein authentischer Trainer. Als Ex-Bundesliga-Spieler hat er natürlich auch viel Ahnung vom Fußball. Er redet sehr viel mit den Spielern und das ist natürlich sehr wichtig für eine Mannschaft. So sind nicht alle Trainer.

Glaubst du, dass der Berliner AK das Zeug zur 3. Kraft in Berlin hat?

In Berlin spielen vieleTraditionsvereine und die Stadt hat viele andere Sachen zu bieten. Natürlich muss man da als Verein um die Zuschauer kämpfen. Uns Spielern fehlt es aber an nichts und die Infrastruktur beim BAK ist sehr gut. Seit letzter Woche arbeiten wir zudem mit einem Sportpsychologen zusammen. Natürlich wäre es schön, wenn wir mehr Zuschauer ins Stadion locken könnten und da würde natürlich ein möglicher Aufstieg auch einen positiven Schub geben. Unser Präsident Ali Han ist ein sehr fußballverrückter Mensch und informiert sich regelmäßig über die Mannschaft und fragt, welche Dinge man verbessern könnte. Das sind an sich schon gute Voraussetzungen, die es sicherlich nicht bei allen Vereinen so gibt.

Kennst Du die Aufstiegsregelung zur 3. Liga in Deutschland und wenn ja, was hältst du davon?

Ja, die kenne ich und halte das für wenig optimal. Eine Lösung dafür habe ich aber auch nicht parat, da ich mich dafür im deutschen Fußball noch nicht genügend auskenne. Aber wenn man als Meister die Relegationsspiele verliert, ist es natürlich für die Vereine auch ein großes Problem, da sie möglicherweise die besten Spieler verlieren und erst sehr spät für die neue Saison planen können.

Dein Tipp für das Spiel gegen Tabellenführer Zwickau?

Hätten die Zwickauer, nach den Niederlagen in Neustrelitz und beim FC Viktoria, auch gegen Hertha nicht gewonnen, hätte ich ganz klar gesagt, dass wir das Ding reißen. Zwickau hat eine starke Mannschaft aber wir trainieren hart und werden Alles dafür geben, dass wir das Spiel am Sonntag gewinnen.

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