Aljban Feta: „Ich war immer ein Typ, der seine Meinung sagt“

von Marcel Peters

Aljban Feta über seine zweite Chance beim SV Glienicke-Nordbahn, der Rivalität zum Ortsnachbarn der Fortuna und seine Ambitionen im Futsal.

Du bist ein Wandervogel – in den letzten drei Jahren warst du bei keinem Verein länger als ein halbes Jahr. Wie kann man sich das erklären?

Warum ich ständig nach nur einem halbe Jahre gewechselt bin? Das liegt daran, dass ich eine Zeit lang nur dem Geld hinterher gerannt bin. Nur bei Sparta Lichtenberg war es so, dass ich schon von Anfang an gesagt habe, das ich nur eine halbe Saison spiele, da ich zwecks der Arbeit ein bisschen kürzer treten muss.

Hatte es leistungstechnische Gründe, dass du dich bei keinem Verein durchsetzen und Einsatzzeiten sammeln konntest?

Leistungstechnisch hatte ich nie ein Problem, gespielt habe ich meistens wenn ich fit und beim Training war. Meine Arbeit ließ sich aber manchmal nicht mit dem Training vereinbaren und da ich nicht trainiert habe, musste ich dann häufig bei Spielen auf der Bank Platz nehmen.

Schon letztes Jahr hattest du bei deinem neuen Verein, dem SV Glienicke-Nordbahn, angeheuert. Nach nur einem Ligaeinsatz am ersten Spieltag war das Abenteuer vorbei. Kannst du das erklären?

Richtig, ich habe schon letzte Saison beim SV Glienicke gespielt, jedoch kam ich da mit dem Trainer Florian Glitzer nicht zu Recht. Ich fand seine arrogante Art manchmal auch recht nervig, welcher Trainer, auch wenn es nur die Kreisliga ist, besitzt die Nummer Zehn und stellt sich ständig auf? Ich war immer ein Typ, der seine Meinung sagt – meine Art war und ist so, auch als ich mal höher gespielt habe. Das heißt nicht, dass ich mich als wichtig empfinde. An den ersten Spieltag kann ich mich noch sehr gut erinnern. Ich habe mit einem Mittelfußbruch gespielt und wurde beim Stand von 1:1 in der 60. Minute eingewechselt. Mit zwei Vorlagen (ich hätte die Treffer auch selber erzielen können) habe ich die Mannschaft zum Sieg geführt. Meine Verletzung war frisch und ich habe meine Gesundheit riskiert, aber ich habe nicht mal ein Dank oder Lob erhalten. Dadurch gab es die ersten Unstimmigkeiten und zwei Wochen später folgte meine sehr dumme Rote Karte in der Halbzeitpause der Pokalpartie gegen die Fortuna, danach war die Sache endgültig gegessen.

Nun also der zweite Anlauf. Warum denkst du, wir es diesmal eine erfolgreiche Zusammenarbeit geben?

Warum kann man nicht immer sagen, man muss abwarten was die Zeit bringt. Aber ich bin durchaus zuversichtlich, dass es diesmal eine erfolgreichere Zusammenarbeit wird, da ich auch den Trainer Francis Banecki schon seit meiner Windelzeit kenne. Ich weiß was er verlangt und er weiß wie er mit mir arbeiten kann, weil er weiß wie ich ticke.

Der SV Glienicke- Nordbahn stand in letzter Zeit im Fokus, ein kompletter Umbruch wurde eingeleitet, nachdem der Verein im letzten Jahr nicht den Aufstieg geschafft hat. Wie sind deine ersten Eindrücke?

Die Jungs sind heiß auf die Saison, ich bin zurzeit leider noch verhindert, werde erst in zwei Wochen in die Vorbereitung einsteigen. Ein Muskelfaserriss an den Adduktoren und eine Leistenzerrung setzen mich noch außer Gefecht. Wir wollen natürlich zeigen, dass wir den Umbruch nicht umsonst gemacht haben und gleich in den ersten drei Spielen mit Siegen ein Zeichen setzen. Unser Ziel ist ganz klar Aufstieg und das werden wir so auch verfolgen.

Mit Francis Banecki habt ihr einen bekannten Trainer an der Seitenlinie. Wie ist er als Trainer? Kann er seine gesammelte Erfahrung auch an Spieler weitergeben?

Ich bin mir sicher, dass er vor allem den jungen Spielern, aber natürlich auch jedem anderen etwas von seiner gesammelten Erfahrung mit geben kann. Bisher ist er als Trainer noch sehr zurückhaltend, da er erst die Mannschaft kennen lernen muss. Menschlich ist ein auf jeden Fall ein Top-Typ und ich bin froh, dass er mich zurückgeholt hat. Auch Fabrice Wotepa, mit dem ich sehr vertraut bin und einige Spieler, wie Jeffrey Klug, Christian Schikersinzky und mein Bruder natürlich, haben dazu beigetragen, dass ich wieder hier Spiele.

Du spielst beim SV mit deinem Bruder zusammen, habt ihr eine Wette für die nächste Saison am Start?

Mein Bruder und ich haben eine Wette am Laufen. Es geht darum, wer von uns beiden die meisten Tore schießt. Der Gewinner bekommt natürlich einen kleinen Gewinn. Welche Details die Wette enthält und wie hoch der Gewinn ist, kann ich natürlich noch nicht verraten. Manche Mitspieler wissen Bescheid, aber nicht alle.

Was sagst du zum Verhältnis zwischen dem SV und dem Rivalen der Fortuna, der in mittlerweile in die Landesklasse aufgestiegen ist? Wünschst du dir ein Duell im Pokal oder würdest du dem am liebsten aus dem Weg gehen?

Das Verhältnis zur Fortuna ist normal, man geht sich da nicht aus dem Weg, man sagt den meisten Hallo und das war es. Dass wir Rivalen sind, ist schon streng formuliert. Beide Mannschaften lieben natürlich die Derbys, allerdings bin ich, genau wie andere Spieler aus der Mannschaft, mit einigen Spielern der Fortuna sehr gut befreundet. Man kann schon sagen, dass wir wie eine Familie geworden sind, wir sind ständig zusammen unterwegs. Bei einem Duell im Pokal würde ich mich vor allem auf ein Zusammentreffen mit meinen Freunden Riccardo, Kevin, Martino und Lenny freuen, weil die mich immer noch mit dem Ausscheiden im letzten Jahr ärgern. Sie wissen aber auch, dass ich kein schlechter Fußballer bin, letztes Jahr im Pokal haben sie mich ständig mit zwei Spielern attackiert. Wir haben eine starke Truppe, die sich erst finden muss, aber dann im Pokal auf jeden Fall eine gute Rolle spielen kann und sich auf ein Derby freut.

Nebenbei spielst du noch Futsal. Gibt es bestimmte Eigenschaften, die man als guter Spieler besitzen sollte?

Richtig, ich spiele nebenbei noch Futsal und das sogar in der Regionalliga, bei 1894, wo ich bzw. wir als Team auch sehr erfolgreich sind. Unser Ziel ist es, Erster zu werden. Mal schauen was draus wird, wir sind auf jeden Fall einer der stärksten Mannschaften in dieser Liga, man kann sogar sagen, die Beste in Berlin. Futsal hat sehr viel mit Technik und Strategie zu tun, das heißt, Abläufe sind komplett anders als wenn man normalen Hallenfußball spielt. Jeder der sich mal mit dem Futsal beschäftig hat, der weiß das es ein sehr intensiver Sport ist.

Futsal ist in Deutschland auf dem aufsteigenden Ast, möchtest du irgendwann mal in der Nationalmannschaft spielen oder ist das eher unrealistisch?

Ich würde die Chance natürlich nutzen. Berufen wurde ich schon für die kosovarische Futsal-Nationalmannschaft, wo ich dann eine Woche auf einem Lehrgang war, mich danach aber verletzt habe. Ich stehe mit den Verantwortlichen im Kontakt und Sie wollen sich natürlich weiterhin die Saison anschauen, aber ich bin gerade ein wenig aus dem Fokus gerückt. Bei meinem Team habe ich zurzeit 13 oder 14 Tore – ich will diese Ausbeute aber natürlich weiter ausbauen.

Natürlich wäre ich auch froh, wenn die deutsche Nationalmannschaft auf mich aufmerksam wird. Seit dem Januar bin ich auf jeden Fall auf einer „Beobachtungsliste“ des DFB. Also realistisch gesehen, ist noch alles möglich, aber sollte irgendwann das Interesse da sein, wird es auf jeden Fall keine einfache Entscheidung. Es wird sehr schwer sich für Deutschland, dem Land in dem ich aufgewachsen bin, oder gegen Deutschland und für mein Heimatland Kosovo zu entscheiden.

Das Interview führte Marcel Peters | Foto: Sebastian Schmelzer

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.