Christopher Kolodzeycik: “Wenn der Kopf nicht mehr voll dabei ist, hör auf!”

von Marcel Peters

Christopher, Wie bist du zum Fußball gekommen?

Ich habe früher sieben Jahre Handball gespielt und bin durch den heutigen Trainer des VfB Hermsdorf, Stephan Gerth, zum Fußball gekommen. Wie man das so kennt, einfach mal mitgegangen und dabei geblieben.

Wenn du erst sieben Jahre Handball gespielt hast, bist du erst relativ spät zum Fußball gekommen. Hattest du trotzdem irgendwann den Traum vom Profifußballer und wenn ja, wann ist dieser „geplatzt“?

Den Traum vom Profifußball träumt wahrscheinlich jeder kleine Junge. Ich bin aber nie davon ausgegangen, dass das etwas werden würde. Ich würde allerdings sagen, dass es mir spätestens klar war, als ich nach der Schule mit meiner Ausbildung angefangen habe.

Nach den Stationen 1.FC Lübars und Frohnauer SC bist du am Ende beim VfB Hermsdorf gelandet. Drei Vereine – bestimmt eine Menge Trainer. Gibt es einen bei dem du sagst: Der Trainer ist mir in Erinnerung geblieben, weil ich besonders viel von Ihm gelernt habe?

In Erinnerung sind mir fast alle geblieben. Im ersten Jahr bei Lübars, damals älterer Jahrgang in der C- Jugend, hatte ich einen Torwarttrainer (Peter), der mir wirklich viel beigebracht hat und dem ich viele meiner „Fähigkeiten“ zu verdanken habe. Durch die Vielzahl an Headcoaches und der unterschiedlichsten Sichtweisen der Einzelnen, habe ich von jedem einiges mitnehmen können.

Welche Augenblicke deiner bisherigen Karriere bleiben dir positiv in Erinnerung?

Ich wurde bei einigen Hallenturnieren zum besten Torwart des Turniers gewählt. Vom Bezirksliga- bis zum Regional- und Oberliga Hallenturnier. Des Weiteren sind besondere Highlights die beiden Spiele gegen Werder Bremen und Union Berlin.

Wenn ich nach den positiven Erinnerungen frage, kommt natürlich auch die Gegenfrage – welche Rückschläge hast du erlebt?

Unter Rückschläge würde ich zwei größere Verletzungen verbuchen. Mein Schienbeinbruch 2013 und mein Kreuzbandriss anderthalb Jahre später. Anschließend habe ich mich nie wieder 100%ig fit gefühlt. Ich bin ein ehrgeiziger Spieler gewesen und habe alles dem Fußball untergeordnet, aber nach den Verletzungen und dem Abstieg mit dem VfB Hermsdorf musste ich mir Gedanken machen, wie es weiter geht. Ich habe mich dann im vergangenen Jahr dazu entschlossen meine Spielerkarriere zu unterbrechen und nach einem Jahr Pause bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass es Zeit ist, diese nun komplett zu beenden. In der Zukunft kann ich mir gut vorstellen als Torwarttrainer zu arbeiten.

Musstest du die aktive Karriere wegen deiner Krankenakte beenden oder gibt es dafür auch andere Gründe wie zum Beispiel Familie und Beruf?

Da ich immer mit vollem Einsatz gespielt habe und immer zu 100% bei der Sache sein wollte, habe ich mir mal gesagt: wenn der Kopf nicht mehr voll dabei ist, hör auf! In meinem letzten Jahr habe ich es meist an Spieltagen gemerkt. Ich war nicht mehr so fokussiert und habe das Spiel nicht mehr so geliebt. Deshalb haben die von dir genannten Kriterien eine „Teilschuld“, aber hauptsächlich war es doch mein Kopf.

Kannst du das noch etwas näher erläutern, es hört sich aus meiner Sicht an wie ein “Burnout”, aber in diesem Fall auf den Fußball bezogen?

Nein, Burnout ist ein viel zu hartes Wort dafür. Ich würde einfach sagen, dass mir einfach die Lust gefehlt hat bzw. weniger wurde.

Das ist auf jeden Fall sehr Schade, dann hat sich aber meine nächste Frage, welche Ziele du noch für die Zukunft hast, erledigt…

Ja, Torwarttrainer sein kann ich mir schon gut vorstellen, aber es ist nicht unbedingt mein primäres Ziel. In der nächsten Saison möchte ich auf jeden Fall öfter die Spiele vom meinem ehemaligen Verein VfB Hermsdorf besuchen.

Gibt es denn schon einen konkreten Plan oder eine Anfrage von einem Verein dich als Torwarttrainer zu „verpflichten“?

Einen konkreten Plan gibt es noch nicht, aber es gab schon zwei Anfragen für die kommende Saison. Ich würde es momentan aber zeitlich einfach nicht schaffen und das wäre dem Verein gegenüber und vor allem den Torhütern nicht gerecht. Deshalb musste ich leider absagen.

Torhüter sein ist, nett ausgedrückt, manchmal sehr bescheiden. Es ist doch so, entweder du spielst oder du sitzt draußen, es ist dann viel schwerer als beim Feldspieler zu Einsätzen zu gelangen. War das Verhältnis mit deinen Kollegen und Mitstreitern trotzdem immer gut oder hat es auch mal „rumort“?

Ja, es ist viel schwerer, denn meist wird schon in der Vorbereitung entschieden, ob du bei jedem Spiel draußen sitzt oder spielst. Ich kenne beide Seiten nur zu gut. Normalerweise verstehen sich zwei so direkte Konkurrenten selten gut, bei mir war es allerdings umgekehrt. Ich habe mich selten mit dem anderen Torhüter nicht verstanden. Meistens hatte ich ein gutes Verhältnis zu meinen Kollegen. So richtig gekracht hat es zwischen mir und dem anderen Torhüter nie.

Torhüter haben, ich möchte hier Oliver Kahn als Beispiel nennen, meistens eine positiv verrückte Art auf dem Spielfeld, als wären Sie teilweise in Ihrer eigenen Welt. Ist das so weil sie im Spiel weitestgehend auf sich allein gestellt sind oder woher kommt das?

Die Verantwortung bei uns Torhütern ist natürlich riesig. Machst du einen Fehler ist der Ball zu mit sehr großer Wahrscheinlichkeit im Tor. Macht ein Feldspieler einen Fehler, sind noch Mitspieler oder wir da, die den Fehler ausbessern können. Meiner Meinung nach darf ein guter Torhüter keine Angst haben, sich weh zu tun. Er muss in vielen Situationen da hingehen, wo es weh tut. Oft kann man ein Tor nur so verhindern. Und wenn jemand keine Angst hat sich weh zu tun, kann er ja nicht alle beisammen haben.

Gerade habe ich Oliver Kahn genannt, wer war oder ist denn dein Vorbild und warum?

Ich habe in den 90ern zu Stefan Klos aufgeblickt, damaliger Torhüter von Borussia Dortmund, meinem Lieblingsverein. Ansonsten habe ich mich auch immer an Konkurrenten in der eigenen Mannschaft hochgezogen. Jeder konnte irgendwas besser als ich. Man kann also sagen, dass jeder meiner Konkurrenten auch ein Vorbild für mich gewesen ist.

Danke an Christopher. An dieser Stelle viel Gesundheit und Erfolg für die Zukunft.

Das Gespräch führte Marcel Peters. Fotos: Alexander Rabe

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